Von der Paralympics-Gewinnerin zur VdK-Präsidentin - Verena Bentele
Shownotes
Wie fährt man Ski oder Rad - ohne zu sehen ? `Wie gewinnt man 12 Paralympische Goldmedaillen und 4 WM-Titel in der Loipe und am Schießstand - ohne zu sehen ? Wie erklimmt man den Kilimandscharo - ohne zu sehen? Und wie ist es in Deutschland um soziale Gerechtigkeit und Inklusion bestellt ? Diese Fragen - und viele mehr beantwortet Verena Bentele in einem lockern Gespräch in Gschmeidig - der Mehr-als-Fußball-Podcast.
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00:00:10: Schmeidig, der mehr als Fußball-Podcast mit Ralf Echsel und Taufik Khalil.
00:00:20: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Schmeidig, der mehr als Fußball-Podcast mit meiner Wenigkeit Ralf Echsel und mit...
00:00:29: Ja, ich bin Taufik Khalil und heute haben wir jemanden zu Gast, der in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist.
00:00:35: Sie ist vierfache Weltmeisterin, zwölfmalige Paralympics-Siegerin im Langlauf und Beatleon und sie hat all das geschafft.
00:00:42: ohne was zu sehen.
00:00:43: Heute kämpft sie nicht mehr auf der Leupe, sondern für Millionen Menschen in Deutschland.
00:00:48: Als Präsidentin des Sozialverband VDK mit über zwei Komma drei Millionen Mitgliedern gehört sie zu den wichtigsten Sozialstimmen unseres Landes.
00:00:57: Wir freuen uns sehr und sagen herzlich willkommen Verena Bentele.
00:01:00: Hallo ihr zwei und vielen Dank für die Einladung.
00:01:03: Ich freue mich mal wieder, auch ein bisschen über Sport zu quatschen.
00:01:05: Ah,
00:01:05: das tun wir sehr, sehr gerne.
00:01:06: Und da wollen wir gleich, weil das Wort Sport kam, schon mal die Zuschauer aufklären.
00:01:10: Wir haben uns unterhalten, wie geht man denn der Präsidentin des VdK, um unter zwölffachen Goldmedaillen gewinnern zu sitzen, wie uns du zum Beispiel.
00:01:16: Verena, wie haben wir uns für sportliche Du entschieden?
00:01:18: Wir
00:01:18: haben uns fürs Du entschieden, Taufig und ich kennen uns jetzt auch schon nicht erst seit gestern und wir haben uns das auch kennengelernt und wir sind ja alle Sportler.
00:01:25: Ich habe auch immer wieder, wenn ich über mich selber nachdenke, denke ich manchmal zuerst, du bist ja Sportlerin und da... du bist Präsidentin.
00:01:31: Also wenn man überhaupt so eine Reihenfolge haben muss.
00:01:33: Aber ich bin ja eher der entspannte Sportlerinnen-Typ und denke, ihr ist wegkommt jetzt nicht mit einem Du oder Sie, sondern wie man sich ernst nimmt und wie man sich zuhört.
00:01:41: Und das ist ja der Witz hier auch an so einem schönen Podcast.
00:01:44: Und da haben wir eine schöne Rubrik gleich zu Beginn.
00:01:46: Die nennen wir Hop oder Top.
00:01:47: Da stellen wir uns an Gästen immer Fragen, die entscheiden sich ein bisschen.
00:01:50: Ich fange dann gleich mal an.
00:01:51: Passt zum Sport bei dir.
00:01:53: Viadlon oder Langlauf?
00:01:54: Da würde ich den Langlauf nehmen müssen, obwohl ich Beatlon liebe und gerne gemacht hat, weil er so spannend ist, aber langlaufen kann nicht besser.
00:02:02: Ich war immer die bessere Läuferin in ziemlich schlechter Schützen.
00:02:05: Winterspiele, du hast jetzt langlauf gemacht und Beatlon, ich meine, wer weiß, wer liegt das ja vielleicht nah oder aber vielleicht doch lieber Sommerspiele.
00:02:13: Also zum Mitmachen in jedem Fall Winterspiele, immer wenn ich heute noch da stehe und ich war auch danach bei einigen Paralympics und habe zugeschaut, wollte ich mir gerne die Ski klauen von irgendwem und mitmachen.
00:02:23: Aber zum Zuschauen eindeutig Sommerspiele.
00:02:25: Paris letztes Jahr war sensationell zum Zugucken.
00:02:28: Tolle Stimmung.
00:02:30: Risiko oder Sicherheit?
00:02:32: Da bin ich sehr schnell entschieden fürs Risiko.
00:02:35: Ich weiß natürlich schon auch, dass ich... Unterstützung brauche zum Beispiel von meinen Begleitläufen, die mir so ein Stück weit eine Sicherheit geben.
00:02:42: Aber ich liebe das Risiko.
00:02:44: Ich entscheide lieber, als Dinge ewig liegen zu lassen wie andere, sie von allen Seiten anzuschauen und zu betasten und wieder zu verschieben und zu verräumen.
00:02:51: Ich entscheide lieber und mag das Risiko.
00:02:54: Aber wenn du entscheidest, dann aus dem Bauch oder nach genauer Analyse?
00:02:59: Ich bin eher ein Mensch, der nach Analyse entscheidet.
00:03:01: Ich ignoriere mein Bauchgefühl jetzt nicht, weil ich schon auch weiß, dass mein Bauch ein Mitspracherecht einfordert.
00:03:06: Aber insgesamt will ich schon auch in der Arbeit zum Beispiel die Vorgänge, die so passieren, die auch nicht funktionieren oder die gut sind, will ich verstehen, wissen worum es geht und gucken mir die Dinge dann lieber noch mal mehr an.
00:03:18: Eines haben wir noch und das bin ich sehr gespannt.
00:03:20: Bambi oder bayerische Verfassungsordn?
00:03:23: Beides mit Babybentele.
00:03:25: Aber ja, das ist schwierig.
00:03:26: Ich würde aber am Ende den bayerischen Verfassungsordn nehmen.
00:03:29: Verfassungen sind wirklich was so Wichtiges und sind für eine Demokratie und auch eine Gesellschaft einfach so eine wichtige und ja unverzichtbare Grundlage, dass der bayerische Verfassungsordn schon für eine sehr hohe Auszeichnung ist und ich würde mich für die entscheiden, auch wenn es der weniger Champagner gehabt, aber ich nehme trotzdem den bayerischen Verfassungsordn.
00:03:48: Unser Podcast heißt Gschmeidig.
00:03:51: Ist ja eigentlich ein sehr schönes Wort.
00:03:53: Die Frage ist, für was steht Gschmeidig eigentlich?
00:03:55: Und irgendwie steht es bei jedem ein bisschen was für was anderes.
00:03:58: Wofür steht es bei dir?
00:03:59: Ich muss dazu sagen, ich bin ja ein Aborigini Schwabe und nicht Bayer, also ich komme aus Oberschwaben und habe mich auch, wo ich die Einladung bekommen habe, gefragt, ob es bei uns daheim eigentlich das Wort Gschmeidig auch so gibt.
00:04:12: Also es wird glaube ich schon immer wieder mal verwertet, aber mehr in Bayern.
00:04:16: wird's verwendet und für mich steht, oder geschmeidig steht, für mich für was, was einfach gut läuft, was stimmig ist, was in sich passt, was aber auch vielleicht für was Positives Gutes steht.
00:04:30: Und das ist heutzutage auch schon wichtig.
00:04:32: Wir haben so viele negative Bad News.
00:04:34: Wir haben so viele schwierige Vorgänge und geschmeidig ist für mich auch was, was in sich stimmig und positiv ist.
00:04:40: Das passt dann, hoffe ich.
00:04:41: Was
00:04:41: ist es denn für euch so?
00:04:43: Ja, auf bayerisch, wenn man sagt, wenn es lauft, wenn
00:04:47: es lauft.
00:04:48: Aber du hast gerade schon gesagt, du bist, was Origin Schwabe bist du?
00:04:51: Aborigin, die Schwabe, also ursprünglich komme ich aus Oberschwaben, zwar in Bayern geboren, aber
00:04:56: damit in wenigen
00:04:58: Tagen nach Baden-Württemberg verschleppt worden von meinen Eltern, nach Tätnagen, aber das ist nur fünf Kilometer weg von der bayerischen Grenze.
00:05:06: Ja, und ich war dann auch schon einige Jahre hier in München auf der Schule und habe hier studiert.
00:05:10: Also ich bin schon ganz lang in München jetzt auch deutlich länger als in Schwaben, aber komme ursprünglich eben aus Schwaben und bin auch... sagen wir mal, erst mal Einsprache, nämlich schwäbisch aufgewachsen, musste Hochdeutsch mühsam später lernen.
00:05:23: Ich hätte gerne irgendwie so eine andere Zweitsprache gerne gehabt, die man heute so in die U-Bahn benutzen kann, wenn Leute denken, keiner versteht mich drum herum und ich kann noch was verstehen.
00:05:31: Das wäre echt schöner.
00:05:32: Ich könnte verreisen und würde dann auf Italienisch, Spanisch, Türkisch, was als ich, könnte da prälieren, finde ich schon ganz.
00:05:39: Sprechen wir mal so ein bisschen über dich, über deinen Werdegang im Buch Bock auf Biathlon des berühmten deutschen Sportjournalisten und Bestsellerautor, Taufi Khalil, das gerade erschienen ist.
00:05:52: Hast du einen sehr schönen Satz gesagt am Ende unseres Gesprächs, denn da ist auch eine schöne Geschichte über dich drin und da sagst du, such dir etwas, wofür du eine Leidenschaft hast.
00:06:05: Was ist deine Leidenschaft heute und wie hat sich das über die Jahre verändert?
00:06:10: Also ich finde persönlich wahnsinnig schön, wenn man in und für seine Leidenschaft arbeiten darf und wenn man für seine Leidenschaft wirklich auch brennt, sie leben und ausleben kann.
00:06:20: Das ist schon ein großes Geschenk und ich würde jetzt mal davon ausgehen.
00:06:24: Wo ich deine Reportage letzte Woche wieder über den FC Bayern gehört habe, auch wenn ich jetzt kein Fan bin, aber wenn jemand das im Radio halt gut rüberbringt, dann wird man halt selber schon so ein bisschen on fire und denkt so, wow, war das jetzt knapp und krass, es geht eigentlich gar nicht alles.
00:06:37: Und das finde ich, das macht ja Leidenschaften ein Stück weit aus und das ist bei mir in jedem Fall immer schon der Sport und Bewegung gewesen und natürlich auch Wettkämpfe.
00:06:46: Früher wollte ich sie gewinnen, heute geht es nur noch um und gegen mich selber, heute will ich Bestseiten schaffen für mich.
00:06:51: Heute geht es nicht mehr um die Goldmedaille, aber es ist immer noch die große Leidenschaft, in jedem Fall Sport zu treiben.
00:06:56: Und meine andere große Leidenschaft ist aber gesellschaftliche Veränderungen zu erzeugen, gute Sozialpolitik zu realisieren, für Menschen einzutreten, die vielleicht so nicht gehört werden.
00:07:07: Das sind eigentlich heute meine Leidenschaftsthemen, die wahnsinnig spannend und schön und vielfältig sind und für die ich jetzt sehr brenne, auch wenn ich weiß, oder vielleicht auch gerade weil ich weiß, dass es da super schwer ist, Veränderungen zu erzeugen.
00:07:21: gegen viele Widerstände und Interessensvertretungen.
00:07:23: Man merkt wirklich, wie die Leidenschaft über alle Ebenen, Sport und Gesellschaft und Politik da ist.
00:07:29: Und das ist umso verwunderlicher, wenn man, viele Leute kennen dich jetzt vom Fernsehen, vom Sport, von der Politik, aber mal zurück, du hast gesagt, Lindau geboren, dann verschleppt, wie du gesagt hast, aber man wird mir, du bist ja ohne sehen zu können, auf die Welt gekommen.
00:07:41: Da würden jetzt viele vielleicht sagen, Mensch, das Kind ist schwer.
00:07:44: Was mache ich da irgendwie?
00:07:45: Du brennst für so viele Sachen.
00:07:46: Wie war deine Kindheit damals?
00:07:48: Also ich hatte eine super, super schöne Kindheit in einem kleinen Sechs-Häuser-Dorf am Bodensee und hatte dort das Glück, eben mit viel Platz aufzuwachsen.
00:07:56: In den Sechs-Häusern auf dem Bauernhof von meinen Eltern, mit meinen Brüdern hatten wir so viel Platz, dass ich zum Beispiel Mit neun Jahren nach sehr vielen Jahren Jammerrei dann doch endlich ein Pony bekommen habe und durfte mich um dieses Pony kümmern und ausreiten gehen mit meiner besten Freundin oder meinen Brüdern.
00:08:11: Das ist natürlich schon ein großes Geschenk, wenn man... Dieses Zutrauen und Vertrauen auch der Eltern hat.
00:08:17: Meine Eltern haben natürlich auch gesagt, du musst dich dann auch immer, wenn du da bist, so nicht im Internat drum kümmern.
00:08:21: Wenn die unter der Woche weg waren, haben sie natürlich das Pony rausgeführt auf die Weide und haben es gefüttert und so weiter.
00:08:26: Aber ab Freitag, wenn ich aus dem Internat zurück war, bis Montag waren meine Eltern nicht mehr zuständig.
00:08:30: Und das war super, dieses Vertrauen zu bekommen, dass ich morgen zum sieben dem Pony das Heu gebe und das auf die Koppelfüre um acht.
00:08:36: Und den Stahl ausmüsste, da haben meine Eltern da nicht gesagt, das kannst du nicht, weil du siehst nicht die Pferdeäpfel, dann muss ich halt ein bisschen mehr ausmüssten, bis ich alles gefunden hatte.
00:08:43: Und das finde ich toll.
00:08:44: Also ich hatte da ganz viele Möglichkeiten, konnte Fahrradfahren gehen alleine zu Hause.
00:08:49: Da muss ich dich jetzt mal unterbrechen.
00:08:50: Also du siehst nichts und du fährst Fahrrad.
00:08:53: Das musst du mal jemals erklären, wie das funktioniert.
00:08:55: Heutzutage leben wir in einer Zeit, wo viele Elternhelikopter die ganze Zeit über den Kindern kreisen.
00:09:01: Deine Eltern hatten diesbezüglich einen sehr entspannten Umgang, oder?
00:09:06: Ja, das war eine Mischung.
00:09:07: Also meine Eltern mussten selber natürlich auf dem Hof auch sehr viel arbeiten.
00:09:10: Die hatten jetzt auch zum Glück gar nicht die Zeit, immer neben uns zu stehen.
00:09:13: Und waren aber natürlich verantwortungsvoll.
00:09:14: Die haben uns schon gesagt, passt bitte auf, wenn ihr Fahrradfahrt, mein anderer Bruder, einer meiner beiden Brüder ist auch blind.
00:09:20: Der ist ein Jahr älter und mein zweijahr ältere Bruder, der sehnt.
00:09:23: Und der Sehendebruder hat natürlich schon im Job bekommen.
00:09:25: Du guckst ein bisschen auf die anderen beiden.
00:09:28: Oder die Oma oder die Eltern, wer halt gerade da war, musste schon mal ein bisschen schauen, mal ab und an.
00:09:32: Aber ansonsten hieß es halt, ihr könnt Wände hören.
00:09:36: Ich kann zum Beispiel die Wand links von mir vom Studio hören oder hinter mir die Tür.
00:09:39: Da höre ich am Schall, dass da eine Wand ist.
00:09:41: Und so haben wir uns auch beim Fahrradfahren orientiert, dass wir nicht gegen Häuser, Autos oder irgendwas gefahren sind.
00:09:47: Und die Regel war halt auch, wir dürfen nur bei uns in dem Hofgebiet und in den Feldern von unseren Eltern rumfahren und nicht auf die Straße.
00:09:55: Da haben meine Eltern schon auch klare Regeln gesetzt.
00:09:57: Ist das dann immer gut gegangen?
00:09:58: oder gab es dann auch mal irgendwie doch einen etwas böseren Unfall oder so?
00:10:01: Also im Fahrrad gab es alleine nie einen Unfall.
00:10:03: Die schwereren Unfälle kamen dann später, als wir ... mit meiner besten Freundin zu dritt, meinen Bruder in der Mitte, ich hinten auf dem Gepäckträger.
00:10:11: Zwölf Prozent Gefälle, Steigungen runtergefahren sind.
00:10:15: Wer hat
00:10:15: gelenkt?
00:10:16: Sie war vorne, die sehende Freundin, aber wir beide halt hinten drauf und drei Kinder auf einem Tandem, wovon die kleinste auch noch vorne sitzt und dann unten die Kurve nicht kriegt, die steile.
00:10:25: Dann ist einer ein Misthaufen, einer auf die Wiese und einer auf die Straße geknallt.
00:10:29: Da war das Tandem irgendwie ziemlich geschrottet.
00:10:31: Wir hatten Schirrfhunden, es war auch nichts Schlimmes passiert, aber da gab es schon ein bisschen Ärger zu Hause, also ein bisschen mehr.
00:10:36: Ärger.
00:10:37: Da waren meine Eltern dann auch nicht mehr entspannt.
00:10:39: Verena, es gibt ja beim Thema Seebehinderung unterschiedliche Abstufungen der Seebehinderung.
00:10:44: Vielleicht, dass wir das einmal sagen, also wie ist das bei dir?
00:10:48: Was siehst du?
00:10:49: Ich sehe Licht, also wenn in meiner Wohnung Licht brennt, sehe ich das Licht, aber ich sehe sonst nichts, keine Farben.
00:10:54: Wenn jetzt einer von euch vor mir stehen würde, würde ich nur sehen, da wird es gerade dunkel, aber ich würde euch nicht erkennen an eurem Umriss, wer von euch das jetzt ist.
00:11:01: Wahnsinn.
00:11:02: Wie kommt man dann, also das Fahrradfahren, ich denke gerade an viele Eltern, die ich kenne, die haben jetzt sehr Drhythmusstörungen nach der Erzählung, die haben schon Probleme, wenn ihr drei sehenden Kinder im Rad fahren.
00:11:11: Wie kommt man denn dann, wie du irgendwann dazu Sport zu machen, in der Läupe, Biertelon auf eine Scheibe zu schießen und das dann auch noch so perfekt, dass man so viele Goldmedaillen gewinnt, so viele WM-Titel.
00:11:23: Wie bist du da reingekommen?
00:11:24: Also ich habe mir meinen Eltern Alpine Skifahren gelernt, das haben die Eltern uns beigebracht, weil sie selber Skifahrer sind.
00:11:29: Und das war für mich auch wirklich ein schöner Sport, eine schöne Erfahrung, weil man da so schnell wird.
00:11:34: Das mochte ich immer gerne, immer wie vorher auch schon, die Entscheidung fürs Risiko und die Geschwindigkeit und nicht fürs Bremsen.
00:11:40: Das war auch beim Skifahren so.
00:11:41: Und im Internat, wo ich dann später war, gab es verschiedene Sportmöglichkeiten.
00:11:45: Da gab es Judo, da gab es Leichtathletik, es gab Voltagee und ich habe alles mitgemacht.
00:11:50: Und irgendwann mit zehn Jahren gab es erst einmal das Angebot zum Langlaufen zu gehen.
00:11:54: Und ich fand es total super erst mal von Mittwoch bis Sonntag.
00:11:58: irgendwo anders zu sein, nicht in die Schule zu gehen, sondern eben beim Sport fand ich schon mega toll.
00:12:03: Und dann habe ich halt gedacht, okay, probier's halt mal langlaufen aus.
00:12:05: Warum nicht?
00:12:06: Bewegen kann ich mich und mag ich auch.
00:12:08: Und dann habe ich mich wirklich ins langlaufen Schock verliebt, weil das so eine tolle Sportart ist, die Koordination, die Kondition, Kraft, die einfach so viel fordert, die draußen stattfindet.
00:12:18: Das fand ich mega toll.
00:12:19: Das hat mich echt extrem.
00:12:21: Gefangen der Langlaufsport und später kam dann eben in der Nachwuchsmannschaft noch der Beatlon hinzu, wo man mit den Ohren das Schießen lernt, wo man lernt, mit Tonen, Signal und ganz kleinen Bewegungen des Gewehrs eben den höchsten Ton zu finden.
00:12:35: Und das fand ich einfach total spannend.
00:12:37: Diese Mischung aus der Schnelle und Hektik beim Laufen, der Ruhe beim Schießen, das fand ich super.
00:12:42: Und insgesamt mag ich einfach auch Wettkämpfe.
00:12:44: Ich mochte immer gerne im Wettbewerb sein und... Ich mochte auch gerne gewinnen.
00:12:48: Ich mochte nicht so gerne verlieren wie die meisten Sportle.
00:12:50: Deswegen macht man das ja.
00:12:52: Aber habe auch das Verlieren für mich immer als Anweisung oder Botschaft genommen.
00:12:57: Jetzt musst du halt nochmal mehr trainieren.
00:12:59: Bei mir zum Beispiel gerade zu schießen.
00:13:00: Das war nie so mal eine ganz große
00:13:01: Frage.
00:13:02: Lass mich nochmal eine Frage zu deinen Eltern stellen.
00:13:04: Was ich interessant finde, ist ja, bist du ihnen dankbar, dass sie sich nicht zurückgenommen haben und gesagt haben, ja, das Kind, das sieht ja nichts.
00:13:11: Das kann ja nicht Skifahren gehen.
00:13:13: Also wir können jetzt künftig auch nicht mehr Skifahren gehen.
00:13:15: Auch
00:13:16: diese
00:13:16: Fälle gibt es ja.
00:13:17: Gibt da noch welche, die sagen, wir richten uns jetzt nach dem, was geht.
00:13:20: Bist du, bist du froh, dass sie gesagt haben, wir wollen weiter Skifahren gehen und wir bringen unseren Kindern bei, auch wenn es nicht der einfache Weg ist.
00:13:27: Ja,
00:13:27: ich habe super, super tolle Eltern und bin denen mega dankbar, weil meine Eltern sind extrem positive, zupackende Menschen, die haben viele Dinge ausprobiert.
00:13:35: Da gab es auch damals jetzt nicht Irgendwie eine riesige Begleitung für wie traue ich meinem Kind was zu, wie mache ich mit meinem Kind Sport.
00:13:42: Meine Eltern haben uns einfach alles machen lassen, die haben auch zu Hause.
00:13:45: Wenn der Sehendebruder halt draußen irgendwas geholfen hat, dann mussten wir halt das Auto aussaugen.
00:13:49: Am Samstag Nachmittag die Spülmaschine ausräumen, den Tisch decken, fürs Abendessen die Karottenschälen für den Salat.
00:13:54: Wir haben dann halt andere Jobs bekommen.
00:13:56: Also auch da waren meine Eltern einfach super pragmatisch und haben auch bei uns nicht immer eine Ausnahme gemacht.
00:14:01: Von wegen ist jetzt ihr euch mal nebenhin und stört nicht oder macht am besten nichts.
00:14:05: Dann könnt ihr nichts falsch machen, sondern unsere Mutter hat uns halt oder unser Vater andere Dinge gegeben.
00:14:11: Ja, und dann haben wir dann so am Hof uns auch beteiligt und das ist super.
00:14:15: Also ja, da bin ich wirklich unendlich dankbar meinen Eltern, weil das natürlich unglaublich viel Selbstvertrauen Kindern mitgibt.
00:14:22: Und das sehe ich auch heute um mich rum, wenn Freundinnen ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen, sondern sie immer bringen oder so.
00:14:30: Das ist ja auch schade für die Kinder, weil die sich dann ja auch nie was zutrauen.
00:14:33: Und man kann es den Kindern ja beibringen.
00:14:35: Mit zwei Vorsicht.
00:14:36: Ich pass auf an der Kreuzung.
00:14:37: Das ist ja natürlich eine wichtige Sache.
00:14:39: Aber ich finde es immer super schön.
00:14:41: Eine
00:14:41: Freundin von mir hat gerade ihre Tochter.
00:14:43: zu einem Jugendsymposium in die Schweiz fahren lassen mit wenigen Leuten, die sie schon kannte und die kannte sie auch nicht gut und hat gesagt, okay, das ist eine Jugendveranstaltung.
00:14:53: Und wenn sie das alleine machen, wäre es doch super.
00:14:55: Und ich fand das ganz toll, weil da merkt man einfach dran, wie Kinder auch an so etwas oder Jugendliche wachsen können.
00:15:00: Toll, da könnten sich viele, viele gerade in der heutigen Zeit mal ein Beispiel nehmen.
00:15:03: Aber du musst uns eines noch erzählen.
00:15:05: Sicher wollen das auch alle verstehen, weil man weiß, dir eine Erfolge, aber wie die zustande kommen.
00:15:09: Lang laufen.
00:15:10: In der Neube kann man sich noch vorstellen, du hast wahrscheinlich Begleitläufer dabei, der sagt, wo es hingeht.
00:15:14: Aber du hast gerade erzählt, schießen mit den Ohren, das musst du uns noch ein bisschen erklären.
00:15:17: Genau, da wird von der Ziehscherbe so ein Infrarot-Signal gesendet und dieses Signal wird in den Ton umgewandelt und das krieg ich auf den Kopfhörer.
00:15:25: und wenn ich mich dann hinlege, bei uns wird nur im Liegend im Biathlon, im Paralympischen geschossen, dann ist das Gewehr in so eine Holzvorrichtung, da kann ich es dann rausnehmen, ich habe vorher einen Kopfhörer aufgesetzt.
00:15:35: und habt dann durch diese Holzvorrichtung schon grob eine Idee, in welche Richtung die Scheibe ist, aber muss dann eben wirklich, wie andere Beatleten, mich richtig hinlegen, das Gewähr richtig halten und bewege das Gewähr.
00:15:44: und dann klingt es wie so eine Einparkautomatik am Auto, wenn es ein tiefer Ton ist, ist man außerhalb der Scheibe, und je höher der Ton wird, desto mehr nähert man sich dem Zentrum der Scheibe.
00:15:53: Du hast vorhin gesagt, du konntest gut mit Schall umgehen, du konntest das hören.
00:15:58: Ist das etwas, was man sich antrainiert?
00:16:01: Ist das, ist das vielleicht, ist das... etwas, was man, wenn man nicht sehen kann, was sich dann automatisch mehr entwickelt, weil man eben sich nicht auf das Sehen verlassen kann, sondern weil man braucht ja dann eben sowas wie Schall oder irgendwas, was einem was zurückwirft.
00:16:16: Ich weiß jetzt nicht, ob ich mir zutrauen würde, mit dem Rad bei mir durch den Hof
00:16:20: zu fahren
00:16:21: und darauf zu hoffen, dass ich die Wand höre.
00:16:23: Also ich höre sie, aber dann ist es wahrscheinlich zu spät.
00:16:26: Also es ist schon so, dass man das lernt.
00:16:28: Es gibt heute auch Das hat einigen Jahren einen amerikanischen, blinden Herrn Daniel Kisch, der bringt es wirklich auch heute Kindern und Jugendlichen, die schlecht sehen, bei über Klicks und nahe.
00:16:38: Also wie so eine Fledermaus, der macht dann so Klickgeräusche mit der Zunge im Mund und hört dann so, wie der Schalt zurückgeworfen wird.
00:16:46: Und das ist wirklich eine gute Sache, dass der das heute den Kindern schon und auch den Eltern beibringt, dass das eine Möglichkeit ist.
00:16:53: Mein Bruder und ich hatten jetzt nicht so einen amerikanischen Lehrer, wir hatten das einfach selber.
00:16:57: mitbekommen und selber geübt und gelernt und das war für uns glaube ich wirklich eine einfach tolle Möglichkeit, dass wir halt wenn schneller von der Straße runter auf den Hof ging, dass man dann halt auch mal vielleicht so ein bisschen was gesagt hat oder irgendwie auch mal so ein Klickgeräusch gemacht hat, um zu hören, ah ok, ich bin jetzt wirklich richtig und knall nicht direkt gegen die Ecke und sitzt ja auch mal in der Küche über durch das Fenster.
00:17:20: Das war schon auch unsere Methode und das kann man lernen, das Gehirn kann da wirklich auch Gehirnareale für Szenen, für diese Geräuschorientierung benutzen.
00:17:29: Und du musst ja dann eben dich auch verlassen können, du brauchst ein großes Vertrauen in dein Begleitläufer.
00:17:34: und dann kam es jetzt zu einer Szene, die Ganz schlimm war, dass es einen ganz schweren Unfall gab, der bei anderen wahrscheinlich das Ende bedeutet hätte.
00:17:43: Genau, der Begleitdorfer hat damals mir gesagt, ich muss nach links in meine Spur, in meine Klasse schrennen und es war noch das Einlaufen, noch gar nicht der Wettkampf, sondern die Einlaufrunde und er sagte, geh links in deine Spur und ich bin nach links und hab ihn halt auch zu schlecht vor mir gehört, weil es so eisig war, da waren meine eigenen Skis so laut, dass ich seine gar nicht gehört hab und hab dann auch nicht korrigiert und bin dann halt links neben der Läupe, ging es ein paar Meter runter.
00:18:05: Und ich bin mit ziemlich viel Schwung runtergefallen, diese paar Meter, und bin an der Seite aufgekommen und habe mir dabei eine Nierenarterie gequetscht und habe mir zwei Finger verbogen und hatte Kapselrisse und angebrochene Finger hinteres Kreuzband angerissen.
00:18:20: Also das war eine eher unschöne Erfahrung, aber auch da muss ich einfach sagen, habe ich mich danach, wo ich wieder zusammengewachsen, zusammengeflickt war und alles wieder so heile war, dass ich es wieder belasten konnte.
00:18:33: war das für mich schon eine gute Entscheidung und eine gute Bestärkung auch durch Freunde und Familie, die gesagt haben natürlich, wenn du möchtest, mach weiter.
00:18:40: Und ich habe mir das immer auch so vorgestellt, wenn ich jetzt damit aufhöre, dann speichert sich in meinem Kopf ja diese negative Erfahrung.
00:18:47: Du hattest ein Sturz, das war das Ende.
00:18:49: Und eigentlich gibt es auch so viele Positives aus dieser Sportzeit und ich würde eigentlich gerne auch was Positives speichern.
00:18:55: Ja, positiv war ja, dass du ... Wie sagt man so schön, come back stronger, wieder aufgestanden bist, Mund abputzen, weitermachen und dann im Jahr drauf fünf Goldmedaillen geholt hast in Vancouver.
00:19:10: Wie geht das?
00:19:11: Wie lange braucht man, bis man wieder auch Vertrauen hat zu einem Begleitläufer?
00:19:17: Da muss man ja, glaube ich, dann auch wieder wieder bei null anfangen.
00:19:20: Und was noch ganz wichtig ist, mit welcher Geschwindigkeit seid ihr da unterwegs?
00:19:25: Wie müssen wir uns das vorstellen?
00:19:27: Das ist ja nicht Schneeflug der Niederfahrt.
00:19:29: Also es ist wirklich schnell, wenn man mit langlaufstil in den Berg runterfährt, wird man auch schon mal, weiß ich nicht, fünfzig, fünfzig, sechzig kmh schnell.
00:19:38: Das wird schon zügig.
00:19:39: Wenn es da mal richtig runter geht, in Rupholding oder Oberhof, in so der Wolfschlucht runter, das pfeift dann schon ganz schön.
00:19:45: Und bei mir war es schon so, dass ich mir dann nach diesem Unfall einen Begleitläufer gesucht habe, den ich schon kannte, weil er früh mit meinem Bruder gelaufen ist.
00:19:54: Ich habe mit dem auch erst langsam angefangen, aber ich würde trotzdem sagen, es ist eine Frage der Haltung so ein bisschen, ob ich das Gefühl habe, ich fange als wirklich bei Null und bei gar nichts an.
00:20:04: würde ich immer noch sagen, habe ich eigentlich nicht, weil ich hatte ja so viel Positives vorher auch schon gespeichert und es ist am Anfang oder am Ende eher eine Frage des Wollens.
00:20:12: Will ich mich wieder darauf einlassen, auch mit den Ängsten, die ich habe und kann diese Ängste vielleicht auch verbalisieren.
00:20:18: Also ich habe dem Begleitlauf am Anfang gesagt, im Sommer mit Skirollern, wenn es mich da schmeißt, dann habe ich wieder so ein blödes Erlebnis.
00:20:26: Das möchte ich erst mal nicht.
00:20:27: Also bei allen Abfahrten möchte ich bitte, dass wir ganz eng zusammenfahren.
00:20:31: Und er hat mich da am Anfang am Handgelenk festgehalten bei jeder Abfahrt, damit ich ihm wirklich sicher stehe und nicht das Gefühl habe, ich kann jetzt direkt bei irgendeiner kleinen, bei einem Stein oder irgendeiner Schwelle stolpern.
00:20:41: Und das war total klasse, um anzufangen.
00:20:43: War das echt die beste Übung?
00:20:45: Wie war es dann, als du ein Jahr später fünfmal in Vancouver Gold gewinst, war das dann noch besonderer als die anderen?
00:20:52: Oder gibt es vielleicht eine ganz besondere Medaille, die für dich besonders ist?
00:20:55: Also ich fand, In Vancouver zu gewinnen schon für mich besonders, natürlich wegen der Vorgeschichte, weil ich wirklich ein Jahr vorher, also im Januar vor Vancouver, das war im März, im März, im Januar, war der Unfall und danach war wirklich erstmal wochenlang, fast monatelang mit Sport nicht viel und ich habe mich da einfach so fokussiert auf diesen Wettkampf in Vancouver und dass es dann so aufgegangen ist und ich wirklich in der Top Form war, das war schon für mich ein tolles Erlebnis.
00:21:22: und dann habe ich dort auch zum einzigen und ersten Mal den zwölf Komma fünf Kilometer Biertlern mit viermal Schießen gewonnen, weil ich auch in Wenckhuber erstaunlicherweise dann gar nicht so schlecht geschossen habe und nicht so viele Strafminuten mir eingefangen habe und habe ich sogar zum ersten und einzigen Mal dieses Rennen noch gewonnen.
00:21:37: Das fand ich schon, da war ich schon sehr froh und ja, das war vielleicht schon so ein bisschen minimal.
00:21:43: meine Lieblingsmedaille, auch wenn es gegenüber der anderen Medaille in Unfair ist.
00:21:46: Und wahrscheinlich meine sportlich beste Leistung waren wirklich meine Langlaufrennen.
00:21:49: Ich war einfach immer eine gute Langläuferin, auch technisch gut und war immer schnell.
00:21:54: Also am Ende des Tages will ich auch meine Langlaufmedaillen gut behandeln.
00:21:59: Die waren mir auch wichtig.
00:22:00: Du warst immer ein Mensch, der, das haben wir jetzt schon so ein bisschen rausgehört, von Bewegung getrieben war.
00:22:06: Du kommst jetzt hier auch, wenn wir das verraten dürfen, auf Krücken rein, weil du aktuell einen kleinen Chionfall hattest.
00:22:14: Das heißt, Bewegung ist für dich auch wichtig.
00:22:16: Du hast immer Herausforderungen gesucht.
00:22:19: Du bist auf den Kilimanjaro.
00:22:21: Ich mein, ich glaub, der ist fünftausend achthundert Meter oder sowas.
00:22:25: Da geht man ja nicht einfach mal eben so hoch.
00:22:26: Das ist ja, da sind wir jetzt zwar noch nicht in der Todeszone, aber wir sind schon da, wo die Luft sehr, sehr dünn ist.
00:22:32: Warum diese Herausforderung?
00:22:34: Was ist das, was dich daran reizt?
00:22:36: Halt mich vielleicht politisch und sportlich gern da auf, wo die Luft
00:22:39: dünn wird.
00:22:40: Vielleicht ist das mein Lebensproblem,
00:22:41: nein, Schmarrn.
00:22:42: Darüber reden wir
00:22:42: nachher noch sehr ausführlich.
00:22:44: Genau, auf jeden Fall.
00:22:45: Nee, also ich mag einfach gerne immer noch sportspottliche Herausforderungen.
00:22:49: Ich hatte Anfang des Jahres schon mal so einen leichten Muskelriss beim Skifahren, bei einfach einer blöden Bewegung, nicht mal einem Sturz, da muss ich irgendein Schwachstelle haben, bin jetzt danach jetzt vor zwei Wochen wieder Skifahren gegangen, wie ich halt so bin, habe mir da auch keine Gedanken gemacht, was, wie konnte dieser Marathon mit diesem Bein laufen, war alles super.
00:23:05: Bin wieder Skigefahren am zweiten Tag bei einer ähnlichen Bewegung, wieder eine Rechtskurve, wieder Muskelriss am Unterschenkel, jetzt nochmal schlimmer.
00:23:12: Deswegen jetzt im Moment ist leider blöd, weil ich bin immer unausgeglichener.
00:23:17: Ich bin unausgeglichen.
00:23:19: Nee, wenn ich keinen Sport habe und keine Bewegung ist für mich immer nicht so toll.
00:23:22: und ja, bein dick, das ist alles ein bisschen blöd.
00:23:25: Aber insgesamt werde ich auch nach dieser Verletzung, wenn die wieder verheilt ist und wieder gut therapiert ist, mir wieder spannende Herausforderungen suchen, wie ein Kilimanjaro oder ein Radrennen von Trontheim nach Oslo.
00:23:37: über fünfhundertvierzig Kilometer habe ich auch dreimal gemacht.
00:23:40: Ich mag einfach total... gerne dieses Gefühl, dem Kopf, dem Körper und allem dabei zuzuschauen und dabei zu sein, wie man immer wieder eben auch eine neue Grenze überwinden kann, wie man dranbleiben kann.
00:23:54: Ich bin dieses Jahr den Berlin-Marathon gelaufen und es war eine furchtbare Quälerei.
00:23:57: Es war heiß.
00:23:59: Ich hatte vorher eine wahnsinnig stressige Woche.
00:24:01: Es war echt alles super strapatius und habe aber dann einfach mich durchgebissen.
00:24:08: Ich habe überhaupt nicht meine Bestzeit geschafft.
00:24:10: Ich war zwanzig Minuten Ach, oder eher eine halbe Stunde langsamer, als meine Besser, die ich mir vorgenommen hatte.
00:24:16: Aber ich habe auch gedacht, nee, du läufst jetzt das Ding fertig.
00:24:18: Auch wenn die letzten Kilometer und zwar wirklich viele Kilometer eine Mordsquälerei waren, ist es trotzdem toll, das zu schaffen, auch zu sehen, was der Körper leisten kann, was auch der Kopf, wenn er wirklich möchte, wenn er am Ende dieses Brandburger Tor durchschreiten oder durchschleppen will, was man dann schaffen kann.
00:24:36: Das ist mega cool.
00:24:38: Verenaten, Marathon in Berlin, ich weiß nicht wie viele starten, zwanzigtausend, vierzigtausend, vom Jungshunderttausend,
00:24:44: fünfzigtausend.
00:24:46: Wie, wie, wie ist das?
00:24:47: Das ist ja dann, wenn du da mit einem Begleitläufer unterwegs bist, musst du ja sein oder du läufst ja nicht einfach alleine und denkst, ich folge jetzt mal der Masse.
00:24:55: Es ist trotzdem schwierig, weil es ist unheimlich viel Getrappel um dich rum und es ist auch viel Verkehr.
00:25:00: Das Getrappel ist weniger schlimm.
00:25:01: wie die Menschen, die da sehr ... Interessante Laufwege suchen, die dann gerne mal die Kurve abkürzen, weil diese dreißig Zentimeter gespart ist ja auch was wert auf zweiundvierzig Kilometern.
00:25:11: Denken manche, manche laufen mit Kopfhören hören also auch nicht, wenn man von hinten ruft, dürfen wir mal vorbei und wir laufen immer zu zweit nebeneinander.
00:25:17: Also es ist sowohl für mich als auch für meine Begleitläufer ist es schon relativ stressig.
00:25:22: Aber es macht hat auch mega Spaß.
00:25:23: Man hat eine Strecke, eine tolle Stimmung.
00:25:25: Es sind ganz viele Menschen, Fans, Bands.
00:25:27: Es ist immer was los und das ist schon auch ein schönes Gefühl.
00:25:30: Ist schon nochmal ein Unterschied, auch zum Sonntagborgenlauf an der ISA, den mag ich auch gerne in München im Englischen Garten, wenn es schön ruhig ist und man fast alleine ist im Nordteil des Englischen Garten, aber ich mag auch gerne den Trubel bei Marathon.
00:25:42: Deswegen werde ich auch das auf jeden Fall wieder machen.
00:25:45: Ich bin ja fast sprachlos, wenn man das alles so hört.
00:25:47: Also die Medaillen der Biertlern, Radfahren ohne was zu sehen, Radrennen in Skandinavien, Marathon in Berlin, auf den Kilimanjaro.
00:25:56: Du warst, ich glaube, der erste blinde Mensch, der auf dem Mountain Mero war, glaube ich, in Afrika.
00:26:03: Hat
00:26:03: der Bergführer damals behauptet, ich hoffe, er hat Recht damit, aber das ist so der zweithöchste Berg neben dem Kilimanjaro.
00:26:08: Und er meinte, er weiß von niemandem, der da sonst oben war, der nicht sieht.
00:26:13: Dann glauben
00:26:13: wir ihm.
00:26:14: Ist denn irgendwas, wo du sagst, nee, das wär mir jetzt dann doch zu viel?
00:26:19: Relativ wenig ist.
00:26:20: Also es gibt bestimmt Dinge, die ich jetzt im Moment noch nicht weiß.
00:26:23: Wenn ihr mir jetzt irgendeinen verrückten Vorschlag macht, denke ich aber zumindest mal ernsthaft drüber nach.
00:26:27: Abendessen mit Frühkrieg, März.
00:26:29: Nein,
00:26:29: Quatsch, Spaß beiseite.
00:26:30: Das würd ich auch machen.
00:26:32: Wenn er Hunger hat, kann er nicht weg, dann muss er mir zuhören.
00:26:34: Das wär doch super.
00:26:35: Das würd ich in jedem Fall annehmen.
00:26:38: Ich kann mir auch noch so andere verrückte Dinge vorstellen, mit den Langlaufschirren zum Südpol zu fahren oder was weiß ich.
00:26:44: Ich kann mir da relativ vieles vorstellen.
00:26:45: Ich habe noch nicht das ganz konkrete neue Ziel, weil ich im Moment einfach mit der Arbeit noch so viel zu tun habe, dass ich... jetzt gerade mir noch nicht so die Zeit und Energie genommen hat für die nächsten Jahre mir ein neues sportliches Ziel zu suchen, aber es wird was geben, da bin ich sicher.
00:26:58: Ich bin mir sicher, du findest das.
00:26:59: Und das war jetzt übrigens mit dem Märzabendessen ganz geschmeidig, wie du das gemacht hast, weil wir kommen ja schon Sport ein bisschen eigentlich in das zweite große Kapitel bei dir.
00:27:08: Das ist eigentlich, ja man kann sagen, die Politik.
00:27:12: Wie bist du da reingekommen?
00:27:13: Du bist so engagiert, wir haben dich ja vorhin lang vorgestellt, die Präsidentin des VdK größter Sozialverband Deutschlands.
00:27:19: Man sieht, man hört dich immer wieder, deine Stimme hat Gewicht.
00:27:22: Wie bist du vom Biertlorn, von der erfolgreichen Sportlerin, in die Politik gekommen?
00:27:27: Also, ich würde mal sagen, die Sozialisierung, die Politische hat zu Hause angefangen.
00:27:31: Bei uns am Essen gab es mehrere Themen, entweder was halt bei uns in der Gegend so los ist.
00:27:36: Mein Papa ist auch so, und meine Mama, die sind beide auch sehr engagierte.
00:27:40: im Fahrgemeinerat, in der Sportgruppe, im Roten Kreuz, im Stadtrat und Kreistag.
00:27:47: Und bei uns ging es genau entweder um die Gegend, um den Bauernhof und den Obstbau oder die Hopfen, wie die wachsen.
00:27:52: Oder es ging um Politik und das wurde bei unserem Essen wirklich immer diskutiert.
00:27:57: Ich kam, meines Erachtens, relativ selten zu Wort bei zwei älteren Brüdern und einem Papa, die auch alle viel zu sagen haben.
00:28:03: Meine Mutter hat das weniger gestört, wie mich, dass wir nicht so oft zu Wort kamen in meiner Wahrnehmung.
00:28:07: Meine Familie würde das vehement bestreiten, würde sagen, du kamst ständig zu Wort.
00:28:11: Nee, aber Spaß beiseite.
00:28:13: Das war bei uns immer, was ich nur damit sagen wollte.
00:28:15: Gerade wir diskutierten immer viel und ich fand das ganz, ganz toll.
00:28:20: damit halt auch betraut zu sein oder befasst zu sein, dass es gut ist, sich über diese politischen Themen zu informieren und sich mal ein bisschen was auch zu erarbeiten, nicht immer nur aus den Schlagzeilen alles mitzunehmen, sondern auch mal ein bisschen nachzuvollziehen.
00:28:34: Und ich habe dann erstmal angefangen, mich für Sport einzusetzen.
00:28:37: Das war wahrscheinlich die logische Konsequenz.
00:28:40: mich dafür einzusetzen, dass die Paralympischen Athletinnen und Athleten mehr Förderung kriegen, dass auch die Begleitläufer mal irgendwo bei der Bundeswehr angestellt werden können, damit professionelles Training möglich ist, wie viele Medaillenprämien wir bekommen.
00:28:52: Und wir haben es nach dem Ende meiner Karriere auch geschafft, dass die heute auch genauso viele Medaillenprämien kriegen wie die Olympischen Athleten, finde ich richtig super.
00:29:00: Also das hat auch was gebrachtes Engagement von mir und anderen Athletinnen und Athleten.
00:29:04: Und dann bin ich so ein bisschen... durch die Bewerbung von München für die Olympischen und Paralympischen Spiele.
00:29:11: Und dadurch habe ich auch Christian Ude kennengelernt, da habe ich mich eben noch sportpolitisch eingesetzt.
00:29:17: Ja, und dann hat Christian Ude mich irgendwann gefragt, Mensch, könntest du dir nicht vorstellen, mich zu unterstützen, als er kandidiert hat, wie wir alle wissen, ohne Erfolg.
00:29:24: Als Ministerpräsident in Bayern habe ich ihn beraten in den Themen Inklusion und Sport.
00:29:29: Und so kam ich dann erst mal zu einem politischen Engagement.
00:29:32: habt, dann kandidiert hier auf der Stadtratsliste in München für die SPD und wurde da auch mit super vielen Stimmen gewählt, netterweise, weil doch viele Menschen mich kannten und daran geglaubt haben, dass ich hier auch mich politisch engagieren kann und was bewegen kann.
00:29:46: Ja, und dann kam irgendwann ein Anruf von Andrea Nahles aus Berlin, die da schon Arbeits- und Sozialministerin war, die mich an einem Dienstag nachmittag... Im Dezember-Zw.A.
00:29:54: angerufen hat, ohne Vorwarnung.
00:29:56: Verena, kannst du dir vorstellen, in die Bundesregierung zu kommen, als Behindertenbeauftragte.
00:30:00: Wow.
00:30:00: Und diese Frage kam für mich wirklich aus heiterem Himmel.
00:30:04: Andrea Nahles und ich kannten uns nicht gut.
00:30:06: Sie hatte mich ab und zu mal auf Veranstaltungen, haben wir mal kurz unterhalten, aber ich mein, sie war da schon eine gestandene etablierte Politikerin und ich war Sportlerin.
00:30:13: Ich hatte da als irgendwie nicht so... gedacht, dass sie mich auch auf dem Schirm hat.
00:30:17: und dann rief sie mich an, habe ich gefragt, okay, ist eine interessante Frage, wie lange habe ich Zeit, mir das zu überlegen?
00:30:22: Also zwei Tage kannst du schon nachdenken und das war schon interessant, weil ich hatte damals auch einen tollen selbstständigen Job, habe für Firmen Vorträge gehalten, Coachings gemacht, das war auch ganz spannend und hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und habe dann wirklich von Dienstag bis Donnerstag einmal mein Leben umgekrempelt, habe einen Job in Berlin angenommen und bin ... ja, politisch nach Berlin gegangen und bin auch seither eben vier Jahre für die Bundesregierung und seit Mai, zwei Jahrzehnt für den VdK, politisch viel in Berlin unterwegs und finde das wirklich super spannend, weil ich dadurch einfach nochmal mehr diese Haltung verinnerlicht habe, dass wir alle Teil von Veränderung sein können, aber auch sein sollten.
00:31:02: Also wenn wir uns nur hinsetzen und am Stammtisch bei der Biermarke unseres Vertrauens drüber unterhalten, dass alles gar nicht so gut ist und wir unzufrieden sind.
00:31:12: Das ist eins, das kann man auch schon mal machen und Austausch mit der Peer Group ist wichtig, aber wichtiger für mich ist noch, mich auch einzubringen, indem ich mich zum Beispiel natürlich auch engagiere für meine Mitglieder, indem ich Inhalte versuche, den Mitgliedern zu erklären und transparent zu machen, indem ich die Möglichkeiten habe, zur Gesetzgebungsverfahrenstellung zu nehmen, aber eben auch Fakten in die Öffentlichkeit zu bringen.
00:31:35: Das sind für mich wirklich ganz, ganz schöne Möglichkeiten, die sich daraus für mich ergeben, für mein berufliches Engagement und für meine Leidenschaft.
00:31:43: Gibt es da, du bist ein Mensch, der alles so irgendwie mit Leidenschaften macht, aber gibt es da Dinge, die du aus deiner Sportkarriere mit Nimmst mitgenommen hast
00:31:53: dieses Jahr auch dieses Gegenwiderstände
00:31:56: ankämpfen, auch wenn es mal nicht geht,
00:31:58: was du brauchen
00:31:59: kannst jetzt im Umgang mit Ministern oder mit dem Kanzler oder mit ja mit Widerständen?
00:32:06: Also ich habe super viel mitgenommen.
00:32:07: auf jeden Fall wie wichtig ein gutes Team ist.
00:32:09: Das ist in meiner Arbeit essentiell und auch wenn man andere Menschen überzeugen will für die eigenen Dinge ist natürlich so ein Team immer eine extrem wichtige Geschichte.
00:32:18: Ich habe auch mitgenommen dass vieles, was ich auch fordere, ja nicht genau so kommt oder auch manchmal gar nicht.
00:32:24: Sind das dann Niederlagen?
00:32:26: Ja, also man empfindet es natürlich oft so klar, man hat ja auch selber Argumente und ich habe ja auch, wie du gerade schon gesagt hast, ich habe auch Leidenschaften und Überzeugungen für meine Themen.
00:32:35: Das fühlt sich dann manchmal schon an wie eine Niederlage, aber am Ende des Tages würde ich auch immer sagen, hat es auch viel damit zu tun, wie ich das eben auch einordne selber und was ich da für Möglichkeiten nutzen kann, zum Beispiel.
00:32:48: eben auch zu sehen, okay, manche Dinge in Deutschland dauern halt eher sehr, sehr lange.
00:32:52: Wir wissen seit vierzig Jahren, dass wir eine Geburtenwelle hatten und die Babyboomer irgendwann in Rente gehen.
00:32:58: Heute kriegen jetzt alle Panik und sagen, wir müssen was tun.
00:33:01: Das steht ja gerade, also wir sind ja schon mittendrin, dass die jetzt nach und nach in den Ruhestand gehen.
00:33:05: Daran kann man ungefähr mal abmessen, wie lang Vorgänge oft dauern.
00:33:09: Und gerade die Rente ist ein super Beispiel.
00:33:10: Ich bin jetzt dreiundvierzig Jahre alt und deutlich länger als ich lebe, gibt es die Debatte schon, kriegen wir genug Kinder, müssen mal Beamte oder alle anderen auch irgendwann einzahlen.
00:33:19: Diese Debatten sind älter als ich.
00:33:20: Und deswegen, auch wenn jetzt was nicht genauso wird, wie ich es mir wünsche oder wie ich es fordere für meine Mitglieder, ist die wichtige Botschaft aus dem Sport, dass man eben dann auch mal dran bleibt, auch mal vielleicht Dinge überdenkt, aber auch mal dran bleibt an Themen.
00:33:32: hartnäckig dran bleibt.
00:33:34: Du bist die Präsidentin des VdK, der setzt sich für soziale Gerechtigkeit an.
00:33:37: Du hast es gerade schon anklingen lassen.
00:33:39: Ganz knaller die Frage, wie gerecht geht es?
00:33:42: Zwei tausendfünfundzwanzig, sechsundzwanzig in Deutschland zu für dich.
00:33:45: Also ich finde bei uns viele Sachen natürlich richtig gut.
00:33:48: Deswegen hatten wir auch Anfang des Jahres unsere Kampagne zur Begleitung der Bundestagswahl ja sozial genannt, also ganz klares Bekenntnis.
00:33:56: für diesen guten Sozialstaat, auch für unsere Errungenschaften, wer bei uns einen ärztlichen Notfall hat, kann wohin gehen, kriegt eine Behandlung.
00:34:03: Aber ich habe es gerade selber gemerkt.
00:34:05: Ich bin gesetzlich krankenversichert, hatte jetzt einen Skiunfall.
00:34:09: Und wenn es darum geht, wann kriegst du welche Termine?
00:34:11: Ich habe mal in der Arztpraxis angerufen.
00:34:13: Da seid ihr die nette Dame zu mir.
00:34:15: Frau Bentele, also die nächsten freien Termine haben wir nächstes Jahr im April.
00:34:18: Dann habe ich gesagt, wassen Sie mal auf.
00:34:19: Also im April wird meine Wade vermutlich nicht mehr wehtun.
00:34:22: Da gehe ich mal jetzt fest von aus.
00:34:24: Und ihre Kollegin, oder eine ärztliche Kollegin ihres Chefs, hat bei Ihnen schon mal angerufen bei Ihrem Chef, und ich soll den Termin kriegen und zwar morgen.
00:34:32: Aber man sieht da dran, eine andere Ärztin hat diese Steuerung, Patientensteuerung ernst genommen, hat sich darum für mich gekümmert.
00:34:39: Ich war auch nicht direkt abzuschütteln, aber so geht es dann irgendwie auch.
00:34:43: Aber wie viele Mitglieder von mir habe ich diese was nicht machen, die dann sagen würden, oh je, das ist aber schlecht, ja okay, guck ich mal weiter, die sich dann abwimmeln lassen oder ... Ärztinnen und Ärzte, die vielleicht nicht sagen, ich rufe für sie in der Praxis an, damit es schneller geht, weil es ist bei ihnen jetzt wichtig, die es auch einschätzen und dann auch was dafür tun.
00:34:58: Und das ist genau der Punkt.
00:35:00: Die Gerechtigkeit heute in Deutschland wird schon immer schwieriger in vielen Punkten, weil ... wir in den Medien und von politischer Seite ganz viel hören, zum Beispiel von der Leistungsgesellschaft.
00:35:13: Wenn man aber sieht, auf wen sich im Moment sehr viel vermögen, beispielsweise konzentrieren, das sind vor allem Leute, die große Erbschaften machen.
00:35:20: Und was jetzt am Erben ganz genau die große Höchstleistung ist, kann ich jetzt nur nicht direkt nachvollziehen und erklären.
00:35:26: Also ich habe sehr viel Respekt vor allen Menschen, die wirklich auch selber... Was tun die sich einsetzen mit ihren Möglichkeiten, mit ihren Potenzialen, egal ob es beruflich ist, ob es in der Pflege der Angehörigen in der Ziehung von Kindern ist.
00:35:38: Es gibt so viele Menschen, die einfach einen riesen Respekt verdient haben.
00:35:41: Menschen, die hierher kommen mit Migrationsgeschichte und hier Fußfassen, die hier beruflich erfolgreich werden.
00:35:47: Von denen hören wir nur erschreckend wenig.
00:35:48: Wir hören immer nur davon, dass hier alles schwierig ist.
00:35:51: Und das finde ich schon ein Problem.
00:35:53: Das führt auch nicht zu einem guten Gerechtigkeitsempfinden bei vielen Menschen.
00:35:56: die dann sagen, wenn hier alles so schlecht läuft, dann wähle ich halt die Falschen, dann gehe ich halt zu den Extremisten und Populisten.
00:36:02: Ist das das, was die Leute dann eben in die falsche Richtung treibt?
00:36:05: und andere haben das erkannt und machen so ein bisschen Rattenfänger von Hameln, spielen mit der Flöte und man läuft ihnen hinterher?
00:36:14: Genau, wenn ich dann immer wieder darauf abstelle, irgendwen als den Schuldigen, die Bürgergeldempfänger beispielsweise ganz pauschal oder die Menschen, die hier als Geflüchtete oder mit Migrationshintergrund herkommen.
00:36:24: dann solche Stadtbilddiskussionen hier anzufangen oder die Menschen alle mal pauschal in einen Topf zu werfen.
00:36:29: Das ist einfach ein Riesenproblem.
00:36:30: Und wie du sagst, es gibt den Falschen, den Aufwind, die dann Ängste von Menschen nutzen, um daraus Kapital zu schlagen.
00:36:37: Und da sind wir wirklich alle gefordert, dem entgegenzutreten.
00:36:42: Du hast vorhin schon gesagt, also man soll nicht steambleiben, man soll sich weiterentwickeln.
00:36:46: Unsere Gesellschaft, um mal ganz global über unsere Gesellschaft hier in Deutschland zu reden.
00:36:50: Die entwickelt sich auch weiter.
00:36:51: Die Frage ist wohin?
00:36:52: Als Beispiel, wenn man in welcher Stadt auch immer mit der Trambe, mit der U-Bahn, mit der S-Bahn fährt.
00:36:57: Ich habe das noch in meiner Jugend so gelernt.
00:36:58: Wenn jemand einsteigt, eine ältere Dame, ältere Herr, jemand, der vielleicht schwer trägt oder vielleicht sogar noch ein Kind am Arm hat, dann steht man auf und lässt einen Platz.
00:37:06: Heute findet das in meinen Augen überhaupt nicht mehr statt.
00:37:08: Jeder hockt da, glotzt vielleicht auch noch dann in sein Smartphone, macht jeder, weil das so wichtig ist.
00:37:13: Ist das so ein Beispiel dafür, wie es bei uns zugeht.
00:37:15: oder sehe ich das zu schwarz?
00:37:16: Also ich habe neulich eine ziemlich absurde Situation erlebt.
00:37:19: Da hat eine jüngere Frau, einen jüngeren Mann in der U-Bahn wirklich angeschnauzt, muss man sagen.
00:37:26: Hier macht man den Platz frei, die Frau sieht nichts, also wegen mir.
00:37:29: Dann sagt ihr der Typ, ich zieh du selber auf, ist doch nicht
00:37:32: mal ein Problem.
00:37:33: Und dann haben die beiden da angefangen zu diskutieren, wo ich gedacht habe, mein Gott, was ein Fremdscharm-Moment, vor allem für euch beide.
00:37:40: Ich habe dann irgendwann, damals hatte ich gerade keine Krücken, da habe ich gesagt, Leute, ist alles gut, ich bleibe hier stehen.
00:37:46: Aber bevor ihr weiter streitet, wer ist nächstes Mal vielleicht cooler?
00:37:49: Ihr steht einfach mal beide auf und führt eure Unterhaltung im Stehen weiter.
00:37:53: Dann war still in der Bahn und dann hat sie dann irgendwann gesagt, ja, so kann man es auch sehen.
00:38:00: Dann waren sie beide ruhig.
00:38:01: Aber da habe ich auch wieder gedacht, na, das bringt doch uns alle nicht weiter.
00:38:05: Ja, wie gesagt, ich halte schon auch selber viel von Rücksichtnahme.
00:38:09: Aber das heißt halt sowohl in so kleinen Dingen, als auch mal ein Platz frei machen.
00:38:14: Ich muss allerdings auch sagen, mir wird auch oft einen Platz angeboten und ich sage dann oft auch, nee, alles gut, ich stehe gerne und für mich passt es so.
00:38:20: Aber freue mich trotzdem und bedanke mich auch immer dafür, wenn er mir angeboten wird.
00:38:23: Aber ich finde, diese Rücksichtnahme mal aufzustehen, wie du es gerade gesagt hast, ist auch genauso wichtig, natürlich auch im politischen, nur weil ich selber vielleicht einen privilegierten Job habe und gerne bis Achtzig arbeiten kann und auch möchte.
00:38:36: Und das kann man sich auch als VdK-Präsidentin super vorstellen, noch ganz lange fit zu sein und zu arbeiten.
00:38:41: Kann ich das nicht pauschal?
00:38:42: Immer allen Menschen sagen, die das vielleicht nicht können, die so belastet sind, durch was auch immer, durch ihren Job, durch Erkrankungen, wie auch immer.
00:38:50: Arbeite doch bitte mal bis fünfundsebzig.
00:38:52: Das macht die Menschen nicht leistungsfähiger und auch nicht glücklicher.
00:38:56: Würdest du sagen, du bist auch aufgewachsen noch in einer Zeit ohne Smartphone?
00:39:02: Irgendwann kam dann mal das erste Handy.
00:39:03: Ich erinnere mich noch die ersten Handys, die ich durch die Gegend geschleppt habe als welche gab.
00:39:07: Die waren so groß, dass ich danach Rücken hatte.
00:39:10: Smartphones gar nicht, aber heutzutage Ralf hat es gesagt, schönes Beispiel.
00:39:15: Die sehen ja gar nicht mehr in der Bahn, wenn einer reinkommt, der für jemanden Platz machen müsste, weil jeder schaut ja nur in sein Handy.
00:39:22: Da möchte ich mich gar nicht ausnehmen.
00:39:24: Das mache ich aus Langeweile manchmal auch, schaue ich auch rein.
00:39:26: Früher hat man aus dem Fenster geschaut oder hat die Leute angeschaut.
00:39:29: Aber hat dieses Teil, von dem wir mittlerweile, glaube ich, zum größten Teil abhängig sind, dazu beigetragen, dass wir Ja, dass der Umgang schlechter geworden ist.
00:39:41: Also das Smartphone hat viele Vorteile, für mich zum Beispiel, dass ich damit mich navigieren kann durch die Stadt, wenn ich einen Ort suche, wo ich noch nie war oder Dinge erkennen kann, Texte damit lesen kann.
00:39:53: Es hat auch schon viele Vorteile, aber es hat, ich glaube, das sind sich heute alle Wissenschaftler, aber auch wir gesellschaftlich einig schon auch sehr viele Nachteile, weil genau diese Erfahrungen, als ich früher immer irgendwo hingefahren bin mit dem Zug, hatte ich schon auch mal irgendwie so ein... Wie ist es damals?
00:40:08: Walkman oder Discman dabei?
00:40:10: Ich bin so alt, ich kenne noch den Walkman.
00:40:15: Und uns mal.
00:40:16: Und dann hat man mal so sein Hörbuch, habe ich vielleicht gehört oder so.
00:40:19: Aber ich habe total viele Leute kennengelernt.
00:40:21: Ich habe im Zug ganz viel mit Leuten gesprochen und mit denen dann irgendwie auch über Gott und die Welt diskutiert.
00:40:28: Passiert heute wirklich selten.
00:40:30: Eigentlich fast nur noch dann, wenn jemand sein Akkuladegerät vergessen hat und den
00:40:34: Akku
00:40:35: runter gewirtschaftet hat und dann jemand anderen braucht, der Strom gibt.
00:40:38: Aber ansonsten finde ich das sehr spannend, was jetzt Australien gerade macht, dass man auch Social-Media-Profile SAP-XVI haben darf.
00:40:46: Und ich würde erst mal so sagen, es braucht glaube ich von allen, da muss ich mich selber genauso einschließen, wie viele andere, die ich kenne, dass wir uns auch selber manchmal davon wirklich abhalten.
00:40:57: Und einfach auch mal abends uns hinsetzen und reden oder in der Bahn einfach mal wirklich ein bisschen rumgucken und die Gedanken schweifen lassen.
00:41:05: Also ich merke das jetzt gerade mit meinen Krücken, habe ich ja gar keine Hand mehr frei fürs Handy.
00:41:09: Das ist voll entschleunigend.
00:41:10: Ich habe das Handy gerade sehr viel weniger in der Hand wie sonst, weil ich überhin humpel und ja, meistens steckt es dann irgendwo in irgendeiner Tasche oder liegt irgendwo und bis ich dann dort bin, ist es schon wieder fertig geklingelt.
00:41:21: Das ist auch entschleunigend auf jeden Fall.
00:41:23: Du erzählst das so, wir sind es direkt vor uns und genauso ist es.
00:41:26: Jetzt erleben wir dich hier so wie man dich wahrscheinlich seit vielen Jahren erlebt, so positiv so nach vorne denkt, mal nochmal über uns jetzt in Deutschland zu reden.
00:41:34: Sind wir denn generell, du hast ja jeden Tag mit den Problemen zu tun, du versuchst den Menschen zu helfen, gerade im sozialen Sektor, aber sind wir in Deutschland nicht auch grundsätzlich mal Leute, die alles immer eher lieber ein bisschen negativ sehen, diese German-Angst, die ja alle über uns sagen, wir Deutschen haben als Erste Angst vor irgendwas.
00:41:51: Wir meckern als Erste rum.
00:41:53: Ist das auch wieder übertrieben von mir oder merkst du das auch ein bisschen?
00:41:56: Nee, wir neigen schon sehr dazu, nicht viele Dinge auch gleich mal vom positiven Standpunkt aus zu sehen.
00:42:03: Und ich finde, es gibt was zwischen dem amerikanischen Wow, Awesome, Wonderful und dem Deutschen.
00:42:10: Oh ja, das ist sehr schwierig.
00:42:11: Es gibt glaube ich viel dazwischen und ich Versuche mich immer sehr für das dazwischen einzusetzen, auch bei unseren Pressemitteilungen mal die guten Dinge von dem Gesetz zu loben und nicht nur zu sagen, es ist alles katastrophal.
00:42:21: Das ist so ein Punkt.
00:42:22: oder eben auch in Diskussionen auf die Dinge hinzuweisen, auf die Errungenschaften, die wir auch haben, dass zum Beispiel in Deutschland auch eine Rentenversicherung auch viel Positives macht, wie den Leuten die Reha ermöglichen und nicht nur Geld kostet, sondern eben oder auch Menschen versorgt, deren Partnerinnen oder Partner verstorben sind.
00:42:40: Das sind alles extrem wichtige positive Dinge, um die es aber nie geht.
00:42:43: Es geht immer nur um die Kosten.
00:42:45: Und das sind für mich dann Punkte, wo ich merke, okay, da müssen wir wohl auch als Gesellschaft uns immer wieder darauf konzentrieren, auch mal die guten Dinge mehr in den Vordergrund zu stellen, mehr zu sehen, mehr zu berücksichtigen und auch den Menschen damit wirklich was Positives mitzugeben, um sie zu motivieren und jahrenstückweit auch... dazu motivieren, dass sie an Veränderungen mitarbeiten und nicht, weil alles ohnehin schlecht ist, den Kopf und den Sand stecken.
00:43:15: Lass uns mal die Verbindung schaffen von Sport zum sozialen Leben.
00:43:21: Wie wichtig ist der Sport für Menschen mit einer Behinderung, mit dem Stichwort Inklusion, teilzuhaben?
00:43:30: Wie wichtig sind Paralympics?
00:43:33: Ich mein sowieso.
00:43:34: Alle vier Jahre nehmen wir im Sommer in erster Linie mal ein Notiz von Menschen mit einer Behinderung.
00:43:40: Im Winter sind es dann die anderen, im anderen Rhythmus.
00:43:42: Vier Jahre müsste das nicht viel häufiger sein.
00:43:45: Wie gut ist die Inklusion und welche Rolle hat der Sport da?
00:43:48: Was hast du erlebt?
00:43:50: Du bist ja von Anfang an, du hast ja von Anfang an gesagt, ich will auf die Piste, also fahre ich darunter.
00:43:55: Also erstmal ist es extrem schade, dass viele Menschen Auch ohne Behinderung heutzutage, aber auch mit Behinderung, bei Menschen mit Behinderung sind es über fifty-fünfzig Prozent, die gar keinen Zugang haben zum Sport, weil die Sportstätten und Möglichkeiten nicht barrierefrei sind für sie, weil sie die Angebote nicht kennen, weil sie nicht nutzen können oder nutzen wollen, weil sie sich nicht trauen, weil sie vielleicht auch keine Unterstützung dafür haben.
00:44:18: Die Gründe sind ja vielfältig.
00:44:19: Heute auch natürlich generell bei Kindern und Jugendlichen wissen wir, dass immer weniger Sport machen.
00:44:25: Wir brauchen natürlich dann auch Menschen, die sagen, ich bin auch bereit, jeden Dienstagabend die Fußballmannschaft der Jugend zu trainieren.
00:44:30: Auch das ist wichtig.
00:44:31: Ach so, mehr als Fußball.
00:44:33: Jetzt habe ich als Erste hier Fußball gesagt.
00:44:35: Ist es denn die Möglichkeit?
00:44:38: Wir nicht.
00:44:39: Wir wollten heute nicht über Fußball reden.
00:44:41: Rot oder blau?
00:44:42: Kindertournen.
00:44:44: Kindertournen und VfB Stuttgart.
00:44:46: So, jetzt haben wir es.
00:44:49: Genau, und dann braucht es jemand, der das Kinderturnen am Dienstagabend macht.
00:44:53: Es braucht Menschen, die für Menschen mit Behinderung da sind, wenn die zum Beispiel wie ich einen Beglagläufer fürs Laufen brauchen.
00:44:59: Und ich bin der Meinung, dass auch da wirklich die Rahmenbedingungen, die wir natürlich von politischer Seite, aber auch von Seiten der Sportvereine und einfach auch gesellschaftlich dafür setzen, die sind wirklich wichtig und extrem wertvoll dafür zu kämpfen und einzutreten, weil sie ein super Lernort sind.
00:45:15: Der Sport ist einfach ein Lernort auch dafür.
00:45:18: Wie Menschen Erfahrungen machen gemeinsame, wie Menschen sich kennenlernen, wie ungezwungen und entspannt und positiv.
00:45:26: Oder auch wie Menschen eben erfahren, was ist eigentlich für anderen Menschen hilfreich, nützlich, wie kann die andere Person eben wirklich auch mit ihren Möglichkeiten Höchstleistung erbringen.
00:45:38: Das ist ja eine total schöne Möglichkeit, die der Sport da bietet.
00:45:41: Deswegen finde ich auch ein... Sport für alle möglich zu machen, wo sich Menschen eben kennenlernen können, voneinander lernen können, ist eine total schöne Möglichkeit.
00:45:51: Das ist ein Plädoyer für den Sport und an dir sieht man am besten, wie es funktioniert.
00:45:55: Noch mal bei der Politik zu bleiben gerade und bei unserer Gesellschaft, wo siehst du uns da, wenn du Noten vergeben würdest.
00:46:01: Ich bin immer so mehr der Meinung, wir sind in Deutschland immer schnell am Klagen.
00:46:04: Natürlich gibt es viele Dinge, die bei uns auch besser funktionieren könnten.
00:46:06: Aber wenn wir ein bisschen über den Tellerrand rausschauen in andere Ländern, sind wir doch, glaube ich, in vielen Ländern gar nicht so schlecht aufgestellt.
00:46:13: Ohne jetzt natürlich nicht zu sagen, dann muss vieles besser werden.
00:46:16: Wo siehst du uns da notenmäßig?
00:46:17: Sind wir gut?
00:46:17: Sind wir nur befriedigend?
00:46:19: Sind wir vielleicht auch nur ausreichend?
00:46:21: Wir sind befriedigend, würde ich mal sagen.
00:46:23: Eine
00:46:24: drei.
00:46:25: Eine schlechte drei.
00:46:27: Drei minus.
00:46:28: Eine
00:46:28: drei minus, würde ich mal sagen.
00:46:30: Genau,
00:46:30: ja.
00:46:31: Wie sieht das bei dir aus in deinem täglichen Leben?
00:46:33: Sprichst du dann mit den Ministern?
00:46:35: Reden die mit dir?
00:46:36: Wollen die deinen Input haben, dass wir vielleicht von der drei wieder auf eine zwei Minus kommen?
00:46:41: Ja, die sprechen schon mit mir, die wollen auch meinen Input, aber ob sie es dann umsetzen.
00:46:44: Wir haben zum Beispiel gerade die Diskussion zum Thema Barrierefreiheit mit der Wirtschafts- und Energieministerium, mit dem Arbeits- und Sozialministerium.
00:46:53: Und das Problem ist, wir haben ja sehr viele nicht barrierefreie Einrichtungen Deutschland.
00:46:57: Alleine gestern Abend habe ich was mit der Karte bezahlt.
00:47:00: Was gibt es auf dem Kartenlesegerät?
00:47:01: Keine Knöpfe.
00:47:02: Sprich, ich habe wieder mal meine Begleitung, meine PIN-Verraten von meiner EC-Karte.
00:47:07: Also, würde ich jetzt nachher mit euch hier was trinken wollen und wir hätten nur einen Touchscreen, müsste ich einem von euch beiden, ich müsste mir da noch belegen, wer es ist, die Pin-Verrate.
00:47:16: Schwierige Frage.
00:47:16: Im Taufik würde ich es nicht sagen.
00:47:19: Ich zahle heute Abend den Deckel.
00:47:21: Du machst lieber selber gleich.
00:47:23: Nein, ich würde es euch natürlich sagen und alles gut.
00:47:25: Ich habe auch schon diversen Taxifahrerinnen und Taxifahrern in meine Pin-Verraten.
00:47:28: Würde ich auch bei euch beiden machen, ohne Probleme, weil... Groß
00:47:30: ist Vertrauen.
00:47:31: Groß
00:47:31: ist Vertrauen und es geht nicht anders, aber es ist, um ernsthaft zu werden, es ist natürlich nicht gut, weil wir... können und müssen eigentlich als Gesellschaft dafür sorgen, dass Menschen sowas auch können, dass es dann irgendeine Lösung dafür gibt, wenn so ein Kartenlesegerät nur ein Touchscreen hat und keine Knöpfe, wenn zum Beispiel Menschen, die ... Eine kognitive Einschränkung haben leichte Sprache brauchen, braucht es für die halt auch richtige Informationen.
00:47:53: Oder wenn eine Rollstuhlfahrerin in eine Kneipe will, braucht es eine Toilette, wo sie das Bier auch wieder loswerden kann, die für Rollstuhlnutzerinnen richtig und geeignet ist.
00:48:01: Das sind so Dinge, wo wir einfach als VdK sehr gerne Verpflichtungen zur Barrierefreiheit hätten, auch der Privatwirtschaft.
00:48:07: Aber das ist gegen Widerstände.
00:48:10: und gegen die Aussage, dass belastet Unternehmen zu sehr ganz schwer durchzusetzen.
00:48:14: Und da sind wir gerade zum Beispiel sehr dran.
00:48:17: Und da denke ich mir halt Leute, ich meine, wir wollen noch, dass alle Zugang haben, auch als Kundinnen und Kunden, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
00:48:23: Eigentlich ist es schade, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wie Brandschutz.
00:48:27: Den stellt auch keiner von uns in Frage.
00:48:29: Finden wir auch alle in Ordnung.
00:48:31: Es ist ja auch so, dass auch alte Leute, wir reden jetzt ja gar nicht nur über Menschen, die nicht sehen können oder vielleicht die Hand nicht benutzen können, sondern wir reden auch über alte Leute, die vielleicht sich eher schwer tun.
00:48:43: Manchmal oder jemand, der sich schwer tut, muss ja gar nicht alt sein.
00:48:46: Ich tue mich auch mal mal schwer mit meinem Handy.
00:48:48: Aber heutzutage, du brauchst
00:48:49: für alles, das
00:48:50: sind wieder beim Thema Smartphone, du brauchst ein Smartphone, du kannst nichts mehr ohne machen, du musst Karten vorbestellen, du brauchst alles Mögliche.
00:48:59: Da hängen wir schon Leute auch ab, oder?
00:49:01: Wir hängen Menschen ab, wir haben uns deswegen auch sehr dafür eingesetzt, dass man auch das Deutschlandticket noch anders als über Smartphone kaufen kann.
00:49:07: Es gibt nun mal Menschen, die können das nicht bedienen, die wollen keins, die haben keins.
00:49:12: Das sind lauter so Dinge, die natürlich für viele Menschen eine Herausforderung sind, wenn man sie wirklich nur noch online machen kann.
00:49:18: Für andere wiederum ist eine Herausforderung, wenn man Dinge nicht online machen kann oder wenn die online Formulare eben für Menschen, die nicht sehen, nicht eingerichtet sind, dass man jedes Formularfeld auch beschriftet hat und weiß, was man da gerade ausfüllen sollte.
00:49:31: Also einfach die Möglichkeiten für alle zur Verfügung zu stellen, das muss eben der Anspruch in meinen Augen sein.
00:49:37: Weil man so, und das kann man jetzt für Menschen mit Behinderung, aber genauso auch für Menschen, die eben sehr wenig Geld verdienen, die jetzt nicht einfach so privat vorsorgen können, weil sie ihr komplettes Geld den Mindestlohn für ihre teure Wohnung, für ihr Essen und ihre Klamotten ausgeben müssen.
00:49:51: diesen Menschen dann zu sagen, übernehmen wir jetzt endlich mal mehr Verantwortung, wird die Menschen nicht zufrieden machen.
00:49:56: Und das ist für die Demokratie dann echt gefährlich.
00:49:59: Wir haben gerade Inklusion angesprochen.
00:50:01: Wir haben vorhin kurz das Thema Rente mal gestriffen.
00:50:03: Das sind alles so deine Themen, bei denen du aktiv bist.
00:50:07: Wo ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung, die wir in den nächsten Jahren vor uns haben?
00:50:11: Ich bin froh, dass das nicht die Hop- oder Top-Frage des Anfangs war, weil wir haben im Bereich Pflege, Gesundheitsversorgung, die immer teurer wird, aber dafür nicht besser für viele Menschen.
00:50:20: Im Bereich Pflege eben, wo viele keine Unterstützung haben, die Angehörigen, die Kurzzeit- oder Tagespflegeplätze brauchen.
00:50:26: Das ist immer schwieriger.
00:50:27: Pflege wird immer teurer, das Thema Teilhabe.
00:50:30: Aber natürlich auch, wie gestalten wir den Arbeitsmarkt, der sich verändert, wo viele Firmen gerade Stellen abbauen?
00:50:36: Wie qualifizieren wir Menschen um?
00:50:37: Wie kriegen wir den Arbeitsmarkt so gestaltet, dass wir nicht immer mehr Menschen haben, die keine Arbeit haben?
00:50:42: Das werden schon riesige Herausforderungen für uns alle.
00:50:45: Dies auch konstruktiv anpacken, anzupacken gilt.
00:50:47: Und wo es meines Erachtens eben nicht geht, Wie es heute oft gemacht wird, dass man sagt, wir müssen jetzt endlich mal die Wirtschaft fördern und nicht mehr nur den Sozialstaat, weil es geht nur zusammen.
00:50:56: Eine gute Wirtschaft braucht auch Menschen, die dort gut arbeiten können, die eine gute Gesundheitsversorgung haben, die gute Kitas haben, wo ihre Kinder gut untergebracht sind.
00:51:05: Also für mich ist dieses gegeneinander Stellen für ein Wirtschafts- versus Sozialpolitik immer ein absolutes Übel.
00:51:10: Wenn du heute einem siebzehnjährigen, der auf dich zukommt und sagen würde, Frau Bentele, sie kennt sich ein bisschen aus, sie machen das jetzt schon seit ein paar Jahren, sie kennt sich aus mit Rente und so weiter.
00:51:21: Ich mache mir Sorgen.
00:51:23: Wie sieht das aus in vierzig, fünfzig, sechzig Jahren?
00:51:26: Ist da noch Geld für mich da?
00:51:28: Was kann ich tun?
00:51:30: Was würdest du dem raten heute?
00:51:32: Ich würde dem raten erstmal Vertraue der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn sie wirklich von allen mitgetragen wird, auch von allen Selbstständigen, allen Beamten, allen Abgeordneten, wenn mehr Frauen beispielsweise eben nicht weiter in Teilzeit arbeiten oder gar nicht mehr arbeiten nach der Kindererziehung, sondern eben wir mehr
00:51:49: Frauen,
00:51:50: mehr Menschen mit Migrationsgeschichte in Arbeit integrieren, mehr Menschen mit Behinderung in Arbeit bringen, wenn wir wirklich auch so eben die die Zahl der Menschen erhöhen, die arbeiten können und diesen Menschen das ermöglichen, dass sie hier eben auch in Fuß fassen und sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.
00:52:07: dann ist mir um die Rente überhaupt nicht bange.
00:52:10: Und ich würde dem raten, dass die gesetzliche Rentenversicherung wirklich in den Riesenstabilitätsanker ist, weil sie von uns allen gemeinsam getragen wird.
00:52:17: Was er dann sonst noch macht, ich würde ihm keine ETF-Beratung geben, das muss er selber wissen.
00:52:22: Aber ich würde ihm erst mal sagen, Vertraue in diese Systeme, die uns auch über weit über hundert Jahre schon getragen haben und wo wir alle gemeinsam ja auch die Chance haben, sie zu stützen, zu stärken und zu gestalten.
00:52:33: Da haben wir sie wieder, die positive Verena Bentele.
00:52:35: Ich würde das so erfrischen.
00:52:36: Dafür haben wir eine schöne Frage ein.
00:52:38: Gehen wir mal davon aus, jetzt kommt eine Fee und die sagt plötzlich, Mensch, da sitzt sie Verena.
00:52:43: Du hast jetzt die Chance, vierundzwanzig Stunden Bundeskanzlerin in Deutschland zu sein.
00:52:48: Du kannst drei Sachen ändern.
00:52:49: Was würdest du machen?
00:52:50: Oh, drei nur.
00:52:52: Das sollte für vierundzwanzig Stunden bereichliche Arbeit.
00:52:55: Das ist reichlich
00:52:56: Arbeit.
00:52:56: Also ich würde eine ganz große Veränderung anstoßen.
00:53:00: Nämlich, dass unsere Sozialversicherungen von allen gemeinsam getragen werden.
00:53:04: Sprich, dann nach diesen vierundzwanzig Stunden gibt es keine private Krankenversicherung mehr, sondern alle werden gesetzlich krankenversichert.
00:53:10: Und es gäbe auch nicht mehr neunzig, sondern weniger Krankenkassen.
00:53:14: Weil ich der Meinung bin, diese Sozialversicherungen, die wichtig sind, müssen auch von allen gemeinsam finanziert werden, sprich auch die heute Privatversicherten, die jetzt nicht, wie ich als gesetzlich versicherte, zum Beispiel für Kinder von anderen Menschen mitbezahlen oder für Menschen, die gerade nicht arbeiten können.
00:53:31: Das sollten einfach alle gemeinsam machen.
00:53:33: Das wäre meine erste gravierende Änderung.
00:53:35: Meine zweite wäre.
00:53:37: Ich würde wirklich auch nochmal steuerpolitisch schauen, dass eben nicht die Menschen, die sogenannte Mittelschicht, die Menschen, die normal verdienen, immer mehr belastet sind, sondern ich würde wirklich sehr große Vermögen, sehr große Erbschaften im Multimillionen- und Milliardenbereich höher besteuern, damit sich eben auch die Menschen mehr an der Infrastruktur, von der sie ja auch extrem viel profitieren beteiligen.
00:53:59: Das wäre meine zweite Änderung und meine dritte Änderung wäre, Naja, weil es im Moment ja so ein großes Thema ist, ich würde schon diese Verpflichtung zur Barrierefreiheit noch als drittes umsetzen.
00:54:08: Nach den ersten beiden Kloppern wird es schon gar keiner mehr merken.
00:54:12: Aber da kamen schon recht schnell die Ideen.
00:54:14: Ja,
00:54:15: und ich möchte diese Fee treffen, bitte.
00:54:17: Schick mir die Fee.
00:54:18: Wir suchen sie, oder Tophik?
00:54:20: Bitte.
00:54:20: Wir
00:54:21: suchen sie.
00:54:22: Verena.
00:54:22: Wahnsinn.
00:54:24: Wow.
00:54:24: Vielen Dank für deine Offenheit, für deine Geschichten, dein Mut und auch vor allem für eine ganz, ganz, ganz klare Haltung.
00:54:32: Das war uns wirklich eine große Ehre, dass du hier so geschmeidig mit uns und das war, wenn du deine Frage noch mal stellen willst von Anfang an, das war ein geschmeidiges Gespräch.
00:54:42: Absolut,
00:54:43: vielen Dank.
00:54:44: Danke euch für die geschmeidige Einladung und mir jetzt auch Spaß gemacht und ich bin gespannt auf eure nächsten Episoden.
00:54:49: Ciao, ciao.
00:54:50: Ja, das war Geschmeidig, der mehr als Fußball-Podcast.
00:54:54: Wir haben nicht darüber gesprochen über Fußball, aber Verena hat.
00:54:56: Ja, und wir sagen Danke und
00:54:58: immer Geschmeidig bleiben.
00:54:59: Bis zum nächsten
00:55:16: Mal.
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